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Missionsfest der Kirchengemeinde bei vollbesetzter Scheune

Land voller Widersprüche

15.06.2018


Freetz (r/mey). Fast voll besetzt war die Kartoffelscheune der Familie Schlesselmann zum Missionsfest in Freetz am vergangenen Sonntagnachmittag. Zusammen mit der Dorfgemeinschaft hatten sie ihre Scheune ausgeräumt, Tische und Stühle aufgebaut und eine Kaffeetafel eingedeckt. Nachdem das Fest mit feierlicher Posaunenmusik begann, begrüßte Bürgermeister Hermann Stemmann mehr als 120 Gäste. Sein Dank galt allen, die bei der Vorbereitung geholfen hatten.


Nach einer kurzen Auslegung der Tageslosung führte Pastor Andreas Hannemann mit dem Prediger des Tages ein Interview. Pastor Thomas Graf Grote erzählte, dass er nun nach 20 Jahren Arbeit in Sibirien mit seiner Frau und den drei Kindern wieder nach Deutschland zurückgekehrt sei. In seinem Vortrag präsentierte er ein Land voller Widersprüche. So gibt es im fernen Sibirien ein perfekt ausgebautes Handy-Netz auf hohem technischem Niveau, die Anmeldung eines Telefons geht schnell und reibungslos. Schmunzelnd fügte er hinzu: „In Deutschland musste ich mehr als drei Wochen warten, bis ich endlich wieder telefonieren konnte. Das hätte ich nie gedacht.“ Aber oft genug begegne einem auch bittere Armut in dem Land.

Als er Bilder von einer Wanderung zeigte, war eine giftige Otter zu sehen. „Manchmal umzingelt uns das System in Russland wie eine giftige Otter. Du bist ständig in Angst und weißt nie, wann sie zubeißt“, merkte er an. Er erwähnte die Auflagen für Gottesdienste. Jederzeit kann es eine Kontrolle geben und dann müssen die Verantwortlichen die Passnummer derjenigen parat haben, die an der Veranstaltung teilnehmen. Trotzdem trifft sich die Gemeinde, um zu beten und auf Gottes Wort zu hören.


Als Förster arbeitete Graf Grote in Sibirien und suchte Kontakt zu einer Kirchengemeinde. Dort wollte man Pfadfinderarbeit beginnen. Graf Grote war selbst Pfadfinder und so half er gern, erzählte er. Zu dieser Gruppe kamen benachteiligte Jugendliche. Als er sich bei Wanderungen wunderte, warum manche so langsam liefen, fand er später die Ursache: Ihre Schuhe hatten gar keine Sohlen, dazu fehlte das Geld. Graf Grote und die Gemeinde halfen. Die Jugendlichen bekamen eine Chance, sie lebten in der Gemeinschaft auf. „Heute sind sie die tragenden Säulen der Gemeinde“, sagte Graf Grote.


Er berichtete auch von dem Dorf Isdok, in denen die Gemeinde alten und behinderten Menschen ein neues Zuhause gibt. Und schließlich erzählte er von einer Anfrage, die er von den Bugholländern kam. Die Siedlergemeinschaft, die nach dem zweiten Weltkrieg aus Polen vertrieben wurde, bat ihn um Mithilfe. Er sollte ihre Schriften übersetzen und in der Jugendarbeit helfen. Auch hier unterstützte Graf Grote die Gemeinde in vielen Dingen.


Nun legt der dynamische Pastor die Arbeit in die Hände seiner Nachfolgerin. Grote ist seit einigen Wochen wieder in Deutschland. Seine Nachfolgerin ist sehr begabt und in den Gemeinden anerkannt, er wünscht sich, dass sie sich vor dem politischen System behaupten kann. Der Gemeinde und ihr galt an diesem Tag die Fürbitte des Missionsfestes, ebenso wie die Kollekte den Gemeinden im fernen Irkutsk zu Gute kommen soll.


„Es war ein fröhliches, hoffnungsvolles Missionsfest“, teilen die Organisatoren mit. Und das von Anfang an, denn zu Beginn gab es ein Highlight: Ein Freetzer „Kinderchor“ sang ein Medley aus zwölf verschiedenen Kinderliedern. Textsicher und laut genug, um die Kartoffelscheune zu füllen. Am Ende gab es einen Wechselgesang zwischen Posaunenchor und Kindern. „Halleluja“ und „Lobe den Herrn“ klang es hin und her. „Ein schönes Sinnbild für das Miteinander von Alt und Jung. Denn auch davon leben die Gemeinden: im fernen Sibirien, in Freetz und Sittensen“, so die Veranstalter.

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Pastor Andreas Hannemann (links) interviewte auf dem Missionsfest Pastor Thomas Graf Grote.

 ©RotenburgerRundschau